| Eckhard John | Musikwissenschaftler |
Das Mizmorim-Motto Jidl mitn Fidl greift einen Topos auf, der in der populären jiddischen Musik des 20. Jahrhunderts vielfältige Resonanz gefunden hat. Einer dieser Songs wurde im Rahmen des Klezmerrevivals besonders prominent, doch seine Geschichte ist weitaus komplexer als bislang bekannt. Der Musikwissenschaftler Eckhard John erläutert, wie sich diese nicht nur als ein Instrument der Traditionsstiftung erweist, sondern auch grundsätzliche Aspekte des Themenfeldes Judentum und Violine spiegelt.
| Ilya Gringolts |
| Dmitry Smirnov |
| Ronny Spiegel |
| Enrico Dindo |
| Benedek Horváth |
Hana Ajiashvili greift in With a Broken Fidl für Violine solo (UA) die bis aufs Barockzeitalter zurückreichende Tradition der Solosonate für Violine auf. Dass auch ein einzelnes Cello oder ein Duo aus Violine und Violoncello vollgültiger Kammermusik zugänglich sind, zeigen andere, ältere Werke des Programms.
| Joseph Achron «Hebrew Melody» für Violine und Klavier |
| Mieczysław Weinberg Sonate für Violoncello solo Nr. 4 |
| György Kurtág «Ligatura-Hommage á Yehudi Menuhin» für zwei Violinen |
| Hana Ajiashvili «With a Broken Fidl» für Violine solo |
| Yinam Leef «T’filah» für drei Violinen |
| Ernst Toch Divertimento op. 37 Nr. 1 für Violine und Violoncello |
| Fritz Kreisler Romanze op. 4 für Violine und Klavier |
| Mizmorim Festival Ensemble |
| Ilya Gringolts |
| Enrico Dindo |
Die Komposition Projections von Hana Ajiashvili eröffnet als Uraufführung die Folge der vier Werke im Eröffnungskonzert. Fast achtzig Jahre älter sind die beiden «Concertino» genannten Werke für Violoncello beziehungsweise Violine und Streichorchester von Mieczysław Weinberg. Der Freund von Dimitri Schostakowitsch stand lange im Schatten anderer sowjetrussischer Komponisten, verblüfft aber durch die Eleganz und Ehrlichkeit seiner Tonsprache.
| Hana Ajiashvili «Projections» für Streichorchester |
| Mieczysław Weinberg Concertino für Violoncello und Streichorchester |
| Mieczysław Weinberg Concertino für Violine und Streichorchester |
| Felix Mendelssohn Bartholdy Streichersinfonie Nr. 12 in g Moll MWV N 12 |
| Dmitry Smirnov |
| Ronny Spiegel |
| Guy Ben-Ziony |
| Rafael Rosenfeld |
| Benedek Horváth |
| Anna Juniki |
Auch der ungarische Avantgardist György Ligeti begann einmal als tastender, sorgfältig die instrumentalen und vokalen Möglichkeiten auslotender Tonkünstler – etwa mit seiner Sonata für Violoncello solo oder Kineret für Stimme und Klavier. Im Weiteren erklingen als Schweizer Erstaufführungen Werke von Viktor Ullmann, Minna Keal und Hanoch Jacoby. Robert Schumanns Sechs Gesänge op. 8 in einer Transkription von Aribert Reimann beschliessen das Programm.
| Hanoch Jacoby «King David’s Lyre» für Viola und Klavier |
| György Ligeti «Kineret» für Stimme und Klavier |
| György Ligeti Sonata für Violoncello solo |
| Minna Keal «Ballade» für Violoncello und Klavier |
| Viktor Ullmann «Herbst» für eine mittlere (tiefe) Singstimme und Streichtrio |
| Robert Schumann «Sechs Gesänge» op. 107, Transkription für Sopran und Streichquartett |
| Gringolts Quartet |
Sie waren enge Freunde seit Studienzeiten: György Ligeti und sein Landsmann György Kurtág, der letztes Jahr noch als Hundertjähriger die Früchte seines lebenslangen Komponierens ernten konnte. Im Konzert sind Streichquartett-Werke der beiden ungarischen Meister zu hören, ergänzt durch das vierte und letzte Quartett des Urvaters aller modernen Kammermusik, Arnold Schönberg.
| György Kurtág «Officium breve, in memoriam Andreae Szervánszky» für Streichquartett |
| György Ligeti Andante und Allegretto für Streichquartett |
| Arnold Schönberg Streichquartett Nr. 4 |
| Ilya Gringolts |
| Dmitry Smirnov |
| Yaron Deutsch |
| Marie-Andrée Joerger |
| Marianna Shirinyan |
| Anna Juniki |
| Benedek Horváth |
Singen kann man mit dem menschlichen Stimmorgan, aber auch mit der Violine. Letzteres hat 1955 der junge Heinz Holliger in seiner Elegischen Musik erprobt, darin den Impressions d'enfance von George Enescu für Violine und Klavier folgend. In starkem Kontrast dazu stehen die Werke Knights of the Strange von Chaya Czernowin für Akkordeon und E-Gitarre sowie Violin Phase von Steve Reich.
| Steve Reich «Violin Phase» für Violine und Tonband |
| Robert Schumann «Dichterliebe» für Stimme und Klavier |
| Chaya Czernowin «Knights of the Strange» für elektrische Gitarre und Akkordeon |
| Heinz Holliger «Elegische Musik» für Violine und Klavier |
| Enescu «Impressions d'enfance» (Eindrücke aus der Kindheit) für Violine und Klavier |
| Anna Juniki |
| Benedek Horváth |
| Dmitry Smirnov |
| Brandon Garbot |
Jean Sibelius liebte seine nordische Heimat über alles, und man hört das in seiner Berceuse (Wiegenlied) für Violine und Klavier. Jüngere finnische Tonkünstler hingegen grenzen sich gern ab von der finnischen Ansichtskarten-Idylle. So etwa die 2023 mit 70 Jahren verstorbene Kaija Saariaho, die den Grossteil ihres Lebens in Paris verbrachte. Das Sangliche ist ihrer Musik erhalten geblieben, zum Beispiel in Changing Light nach einem Text von Rabbi Jules Harlow.
| Kaija Saariaho «Changing Light» für Soprano und Violine |
| Kaija Saariaho «Aure» für Violine und Viola |
| Kaija Saariaho «Nocturne» für Viola |
| Kaija Saariaho «Bon vent» für Violine solo |
| Kaija Saariaho «Leinolaulut)» (Leino Songs) für Sopran und Klavier |
| Jean Sibelius «6 Morceaux» (6 Stücke) für Violine und Klavier |
| Yaron Deutsch |
Anemone, Mon Amour
Yaron Deutsch (E-Gitarre) improvisiert und spielt vorgefertigtes musikalisches Material und notierte Kompositionen – von ihm selbst, von Klaus Lang und Laurence Crane. Es ist der Soundtrack einer Tragödie, die ihren Abschluss in einer Hommage an einen Meilenstein der israelischen Liedtradition findet: Moshe Wilenskys Vertonung des Gedichts Kalaniyot (Anemonen) von Natan Alterman.
| Tabea Zimmermann |
| Gringolts Quartet |
| Guy Ben-Ziony |
| Benedek Horváth |
| Joseph Joachim «Hebräische Melodien nach Eindrücken der Byron‘schen Gesänge» für Viola und Klavier |
| György Kurtág «Signs, Games & Messages» für Viola |
| Menachem Wiesenberg «Monodialogue. A Fantasy for Viola Solo |
| Frank Bridge «Lament» für zwei Violas |
| Felix Mendelssohn Bartholdy Quintett Nr. 2 B-Dur für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello |
| Ilya Gringolts |
| Christian Dierstein | Ensembleleitung und Schlagzeug |
| Schlagzeugensemble der Musik-Akademie Basel |
| Akiko Okabe |
| Maksim Barbash |
| Benedek Horváth |
| Younghi Pagh-Paan «Tsi-shin-kut» (Erdgeist-Ritual) für vier Schlagzeuger:innen und elektronische Klänge |
| Marcel Mihalovici «Improvisations» op. 83 für Schlagzeug und Klavier |
| Gitta Steiner Sonata für solo Vibraphon |
| György Kurtág Tre Pezzi op.14e |
| Carola Bauckholt «Langsamer als ich dachte» für Violoncello, Percussion und Diaprojektion |
| Lou Harrison Lou Harrison (1917–2003) Concerto for Violin with Percussion Orchestra |
| Mondrian Ensemble |
| Sarah Nemtsov «Erinnerungen – Spilitter» für Streichtrio |
| Pál Hermann Streichtrio |
| Boris Blacher Streichtrio «Drei Studien über jüdische Volkslieder» |
| Bruno Maderna «Piéce pour Ivry» für Violine solo |
| Abel Ehrlich «Music» für Violoncello |
| Ronny Spiegel |
| Sebastian Braun |
| Mischa Cheung |
| Philipp Moll |
Der Abschlussabend des Festivals lädt ein in ein imaginäres Café, in dem sich jüdische Salonmusik, frühe Jazzklänge und klassische Traditionen begegnen. Fritz Kreisler, George Gershwin und Ernest Bloch treffen auf zu Unrecht vergessene Stimmen wie Alexander Krein, Joseph Bonime und Vladimir Dyck, und im Sinne des Festivalmottos ziehen Klezmerklänge und Filmmusik von Abe Ellstein als verbindender roter Faden durch den Abend.