Vortrag | Liedl mitn Fidl: Spiegel der Tradition

Vortrag I Liedl mitn Fidl: Spiegel der Tradition

27. januari 2027 18:00
Basler Stadthaus
Stadthausgasse 13
4001 Basel
Eckhard John | Musikwissenschaftler

Das Mizmorim-Motto Jidl mitn Fidl greift einen Topos auf, der in der populären jiddischen Musik des 20. Jahrhunderts vielfältige Resonanz gefunden hat. Einer dieser Songs wurde im Rahmen des Klezmerrevivals besonders prominent, doch seine Geschichte ist weitaus komplexer als bislang bekannt. Der Musikwissenschaftler Eckhard John erläutert, wie sich diese nicht nur als ein Instrument der Traditionsstiftung erweist, sondern auch grundsätzliche Aspekte des Themenfeldes Judentum und Violine spiegelt.

Pre-Concert

Pre-Concert I Hebrew Melody

27. januari 2027 20:00
Basler Stadthaus
Stadthausgasse 13
4001 Basel
Ilya Gringolts
Dmitry Smirnov
Ronny Spiegel
Enrico Dindo
Benedek Horváth

Hana Ajiashvili greift in With a Broken Fidl für Violine solo (UA) die bis aufs Barockzeitalter zurückreichende Tradition der Solosonate für Violine auf. Dass auch ein einzelnes Cello oder ein Duo aus Violine und Violoncello vollgültiger Kammermu­sik zugänglich sind, zeigen andere, ältere Werke des Programms. ​​​​​​​

Joseph Achron «Hebrew Melody» op. 33 für Violine und Klavier
Mieczysław Weinberg Sonate für Violoncello solo Nr. 4 op. 140bis
György Kurtág «Ligatura-Hommage á Yehudi Menuhin» für zwei Violinen
Hana Ajiashvili «With a Broken Fidl» für Violine solo
Yinam Leef «T’filah» für drei Violinen
Ernst Toch Divertimento op. 37 Nr. 1 für Violine und Violoncello
Fritz Kreisler Romanze op. 4 für Violine und Klavier
Eröffnungskonzert | Voice of the Soul

Eröffnungskonzert I Voice of the Soul

28. januari 2027 19:30
Stadtcasino Basel – Hans Huber-Saal
Konzertgasse 1
4051 Basel
Mizmorim Festival Ensemble
Ilya Gringolts
Enrico Dindo

Die Komposition Projections von Hana Ajiashvili eröffnet als Uraufführung die Folge der vier Werke im Eröffnungskonzert. Fast achtzig Jahre älter sind die beiden «Concertino» genannten Werke für Violoncello beziehungsweise Violine und Streichorchester von Mieczysław Weinberg. Der Freund von Dimitri Schostakowitsch stand lange im Schatten anderer sowjetrussischer Komponisten, verblüfft aber durch die Eleganz und Ehrlichkeit seiner Tonsprache.

Hana Ajiashvili «Projections» für Streichorchester
Mieczysław Weinberg Concertino für Violoncello und Streichorchester op. 43 a
Mieczysław Weinberg Concertino für Violine und Streichorchester op. 42
Felix Mendelssohn Bartholdy Streichersinfonie Nr. 12 in g Moll MWV N 12
Konzert II | King David’s Lyre

Konzert II I King David's Lyre

29. januari 2027 12:15
Zunftsaal im Schmiedenhof
Rümelinsplatz 2
4001 Basel
Dmitry Smirnov
Ronny Spiegel
Guy Ben-Ziony
Rafael Rosenfeld
Benedek Horváth
Anna Juniki

Auch der ungarische Avantgardist György Ligeti begann einmal als tastender, sorgfältig die instrumentalen und vokalen Möglichkeiten auslotender Tonkünstler – etwa mit seiner Sonata für Violoncello solo oder Kineret für Stimme und Klavier. Im Weiteren erklingen als Schweizer Erstaufführungen Werke von Viktor Ullmann, Minna Keal und Hanoch Jacoby. Robert Schumanns Sechs Gesänge op. 8 in einer Transkription von Aribert Reimann beschliessen das Programm.

Hanoch Jacoby «King David’s Lyre» für Viola und Klavier
György Ligeti «Kineret» für Stimme und Klavier
György Ligeti Sonata für Violoncello solo
Minna Keal «Ballade» für Violoncello und Klavier
Viktor Ullmann «Herbst» für eine mittlere (tiefe) Singstimme und Streichtrio
Robert Schumann «Sechs Gesänge» op. 107, Transkription für Sopran und Streichquartett
Konzert III | Strictly Strings

Konzert III I Strictly Strings

29. januari 2027 18:00
Gare du Nord
Schwarzwaldallee 200
4058 Basel
Gringolts Quartet

Sie waren enge Freunde seit Studienzeiten: György Ligeti und sein Landsmann György Kurtág, der letztes Jahr noch als Hundertjähriger die Früchte seines lebenslangen Komponierens ernten konnte. Im Konzert sind Streichquartett-Werke der beiden ungarischen Meister zu hören, ergänzt durch das vierte und letzte Quartett des Urvaters aller modernen Kammermusik, Arnold Schönberg. ​​​​​​​

György Kurtág «Officium breve, in memoriam Andreae Szervánszky» op. 28 für Streichquartett
György Ligeti «Andante und Allegretto» für Streichquartett
Arnold Schönberg Streichquartett Nr. 4 op. 37
Konzert IV | Violin Phase

Konzert IV I Violin Phase

29. januari 2027 20:00
Gare du Nord
Schwarzwaldallee 200
4058 Basel
Ilya Gringolts
Dmitry Smirnov
Yaron Deutsch
Marie-Andrée Joerger
Marianna Shirinyan
Anna Juniki
Benedek Horváth

Singen kann man mit dem menschlichen Stimmorgan, aber auch mit der Violine. Letzteres hat 1955 der junge Heinz Holliger in seiner Elegischen Musik erprobt, darin den Impressions d'enfance von George Enescu für Violine und Klavier folgend. In starkem Kontrast dazu stehen die Werke Knights of the Strange von Chaya Czernowin für Akkordeon und E-Gitarre sowie Violin Phase von Steve Reich.

Robert Schumann «Dichterliebe» op. 48 für Stimme und Klavier
Heinz Holliger «Elegische Musik» für Violine und Klavier
Steve Reich «Violin Phase» für Violine und Tonband
Chaya Czernowin «Knights of the Strange» für elektrische Gitarre und Akkordeon
Enescu «Impressions d'enfance» (Eindrücke aus der Kindheit) für Violine und Klavier
Late Night Concert I | Changing Light

Late Night Concert I Changing Light

29. januari 2027 22:00
Gare du Nord
Schwarzwaldallee 200
4058 Basel
Anna Juniki
Benedek Horváth
Dmitry Smirnov
Brandon Garbot

Jean Sibelius liebte seine nordische Heimat über alles, und man hört das in seiner Berceuse (Wiegenlied) für Violine und Klavier. Jüngere finnische Tonkünstler hingegen grenzen sich gern ab von der finnischen Ansichtskarten-Idylle. So etwa die 2023 mit 70 Jahren verstorbene Kaija Saariaho, die den Grossteil ihres Lebens in Paris verbrachte. Das Sangliche ist ihrer Musik erhalten geblieben, zum Beispiel in Changing Light nach einem Text von Rabbi Jules Harlow.

Kaija Saariaho «Changing Light» für Soprano und Violine
Kaija Saariaho «Aure» für Violine und Viola
Kaija Saariaho «Nocturne» für Viola
Kaija Saariaho «Bon vent» für Violine solo
Kaija Saariaho «Leinolaulut)» (Leino Songs) für Sopran und Klavier
Jean Sibelius Aus «6 Morceaux» für Violine und Klavier
Matinée-Konzert | Reisetagebuch

Matinée-Konzert I Soundtrack of a Tragedy

30. januari 2027 10:30
Zunftsaal im Schmiedenhof
Rümelinsplatz 2
4001 Basel
Yaron Deutsch

Anemone, Mon Amour
Yaron Deutsch
(E-Gitarre) improvisiert und spielt vorgefertigtes musikalisches Material und notierte Kompositionen – von ihm selbst, von Klaus Lang und Laurence Crane. Es ist der Soundtrack einer Tragödie, die ihren Abschluss in einer Hommage an einen Meilenstein der israelischen Liedtradition findet: Moshe Wilenskys Vertonung des Gedichts Kalaniyot (Anemonen) von Natan Alterman.

Konzert V | Eine Blume für Tabea

Konzert V I Eine Blume für Tabea

30. januari 2027 19:30
Stadtcasino Basel – Hans Huber-Saal
Konzertgasse 1
4051 Basel
Tabea Zimmermann
Gringolts Quartet
Guy Ben-Ziony
Benedek Horváth

Die Bratschistin Tabea Zimmermann hat massgeblich zum Entstehen neuer Kompositionen für ihr Instrument beigetragen, so etwa durch die Zusammenarbeit mit György Kurtág, der eines seiner Werke mit «… eine Blume für Tabea …» betitelte. Lange vor ihm hat der Brahms-Freund Joseph Joachim Hebräische Melodien für Viola und Klavier gesetzt, und im frühen 20. Jahrhundert kombinierte Frank Bridge gar zwei Bratschen zu seiner Komposition Lament. Ebenfalls zwei Bratschen bilden die Mittelstimmen im Quintett in B-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Joseph Joachim «Hebräische Melodien nach Eindrücken der Byron‘schen Gesänge» für Viola und Klavier op. 9
György Kurtág «Signs, Games & Messages» für Viola
Menachem Wiesenberg «Monodialogue. A Fantasy for Viola Solo
Frank Bridge «Lament» für zwei Violas
Felix Mendelssohn Bartholdy Quintett op. 87 Nr. 2 B-Dur für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello
Konzert VII

Konzert VII I Saiten und Felle

31. januari 2027 11:00
Druckereihalle im Ackermannshof
St. Johanns Vorstadt 19/21
4056 Basel
Ilya Gringolts
Christian Dierstein | Ensembleleitung und Schlagzeug
Schlagzeugensemble der Musik-Akademie Basel
Akiko Okabe
Maksim Barbash
Benedek Horváth

Wo endet die Komposition und wo beginnt die Improvisation? Was ist europäische Musikkultur und wo beginnt das Fremde? Das mag man sich bei manchem der sechs Werke dieses Programms fragen.

Younghi Pagh-Paan «Tsi-shin-kut» (Erdgeist-Ritual) für vier Schlagzeuger:innen und elektronische Klänge
Marcel Mihalovici «Improvisations» op. 83 für Schlagzeug und Klavier
Gitta Steiner Sonata für solo Vibraphon
György Kurtág Tre Pezzi op.14e für Violine und Klavier
Carola Bauckholt «Langsamer als ich dachte» für Violoncello, Percussion und Diaprojektion
Lou Harrison Concerto for Violin with Percussion Orchestra
Tea Time Concert | Geige im Dreier-Team

Tea Time Concert I Geige im Dreier-Team

31. januari 2027 14:30
Basler Stadthaus
Stadthausgasse 13
4001 Basel
Mondrian Ensemble

Vielleicht steckt in jedem Musikwerk eine persönliche Erinnerung oder eine Botschaft, auch wenn dies nicht ausdrücklich thematisiert wird. Dass der Berliner Komponist Boris Blacher auf seine jüdische Kindheit und Jugend zurückblickt, ist seinen Drei Studien über jüdische Volkslieder anzuhören. Auch Sarah Nemtsov schwelgt in ihrem Streichtrio Erinnerungen in ihrer Vergangenheit. Was aber Bruno Maderna 1971 mit dem Geiger Ivry Gitlis verbindet, möchte man seinem Solo-Werk für Violine nur zu gern entnehmen.

Sarah Nemtsov «Erinnerungen – Spilitter» für Streichtrio
Pál Hermann Streichtrio
Boris Blacher Streichtrio «Drei Studien über jüdische Volkslieder»
Bruno Maderna «Piéce pour Ivry» für Violine solo
Abel Ehrlich «Music» für Violoncello
Konzert VIII | Jewish Salon reloaded

Konzert VIII I Jewish Salon reloaded

31. januari 2027 17:00
Tabourettli
Spalenberg 12
4051 Basel
Ronny Spiegel
Sebastian Braun
Mischa Cheung
Philipp Moll

Der Abschlussabend des Festivals lädt ein in ein imaginäres Café, in dem sich jüdische Salonmusik, frühe Jazzklänge und klassische Traditionen begegnen. Fritz Kreisler, George Gershwin und Ernest Bloch treffen auf zu Unrecht vergessene Stimmen wie Alexander Krein, Joseph Bonime und Vladimir Dyck, und im Sinne des Festivalmottos ziehen Klezmerklänge und Filmmusik von Abe Ellstein als verbindender roter Faden durch den Abend.

Führung | Auf Geigenspuren

Führung I Auf Geigenspuren

28. januari 2027 12:15
Paul Sacher Stiftung
Münsterpl. 4
4051 Basel
Heidy Zimmermann | Musikwissenschaftlerin

Das diesjährige Mizmorim-Thema eröffnet ein schier unendliches Repertoire von Musik für Violine und andere Streichinstrumente. Die Führung von Heidy Zimmermann in der Paul Sacher Stiftung gibt Einblick in die Sammlungen des Archivs und wirft Schlaglichter auf Manuskripte von Werken, die am Festival zu hören sind.

Mizmorim Cinema | Jidl mitn Fidl? Grosse jüdische Geiger

Mizmorim Cinema I Jidl mitn Fidl? Grosse jüdische Geiger

30. januari 2027 16:00
Stadtkino Basel
Klostergasse 5
4051 Basel
Ilya Gringolts | Violine und Leitung
Heidy Zimmermann | Musikwissenschaftlerin
Felix Meyer | Musikwissenschaflter

Ausgehend von der legendären amerikanisch-polnischen Filmproduktion Jidl mitn Fidl (1936) wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Geige als charakteristisches Musikinstrument für die jüdische Tradition gelten kann. Ausgewählte Filmporträts herausragender jüdischer Geiger von Jascha Heifetz über David Oistrach und Yehudi Menuhin bis zu Itzhak Perlman und Gidon Kremer werden vorgestellt. Im Gespräch mit Heidy Zimmermann diskutieren der Geiger Ilya Gringolts und der Musikwissenschaftler Felix Meyer über das charakteristische Profil der einzelnen Figuren und über ihre Bedeutung für die grosse Tradition des Instruments seit Beginn des 20. Jahrhunderts.